Was sind innere Antreiber und warum sie jeder kennen sollte

Unter inneren Antreibern versteht man Überzeugungen, die so stark verinnerlicht sind, dass sie uns nicht mehr bewusst sind. Sie kommen meist aus Kindertagen und basieren auf Erlebnissen in unserer Familie oder in unserem Umfeld. Schwer vorstellbar, dass etwas, das so lange zurückliegt, immer noch in uns wirken soll. Doch in der Tat steuern sie aus der Tiefe heraus unser Verhalten und beeinflussen unser Denken und Fühlen. Jeder von uns hat sie – ja, auch du – und gerade in Stresszeiten können sie uns ordentlich unter Druck setzen. Diese inneren Begleiter üben einen ganz entscheidenden Einfluss darauf aus, wie wir unser Leben gestalten. Wäre doch eine gute Idee, sich dieser starken Kräfte bewusst zu werden und nicht weiter auf Autopilot durchs Leben zu düsen, oder? Schauen wir uns diese inneren Antreiber also einmal genauer an.

Das Konzept der inneren Antreiber

Das Konzept der inneren Antreiber entstammt der Transaktionsanalyse, die in den 1950er und 60er Jahren von Eric Berne und Thomas Harris begründet wurde. Der Psychologe Taibi Kahler etablierte in den 70er Jahren in Weiterentwicklung dieser psychologischen Strömung das Modell der inneren Antreiber.

Die Theorie dahinter ist, dass wir schon ganz früh lernen, mit welchen Verhaltensweisen wir am besten unsere Grundbedürfnisse erfüllt bekommen. Als Kind können wir uns nicht selbst helfen und sind darauf angewiesen, dass uns Erwachsene in Sicherheit bringen, uns Liebe und Anerkennung geben und uns versorgen. Je nachdem, von welchen Werten die Erwachsenen geprägt sind, kann dies z.B. in Abhängigkeit von Leistung, von angepasstem Verhalten oder von Schnelligkeit geschehen. Zugleich lernen wir, dass wir nur so ok sind und zeigen ein solches Verhalten auch, damit wir uns innerlich gut fühlen.

In meiner Familie lief es zum Beispiel am allerbesten, wenn ich im Umgang miteinander lieb und brav war. Was die Schule oder den Sport betraf, so bekam ich Anerkennung nur durch Leistung. Meine Eltern waren der Überzeugung, dass dies das richtige Verhalten sei, um bestmöglich durchs Leben zu kommen. Bei mir prägten sich daher die Antreiber „Sei gefällig“ und „Streng dich an“ sehr stark aus und lösen noch heute automatische Reaktionsmuster aus. Ich tue mir z.B. schwer, nein zu sagen und werfe automatisch die Leistungsmaschine an, sobald ich eine Aufgabe vor mir habe. Nur gut, dass ich diese Gesellen mittlerweile durchschaue!

Welche inneren Antreiber gibt es?

Grundsätzlich erkannte Kahler 5 Verhaltensmuster, die sich bei allen Menschen, die er studierte, in unterschiedlicher Ausprägung zeigten. Sie lauten:

Ich lasse sie sich hier einmal selbst vorstellen, damit du einen Eindruck davon bekommst, wie diese inneren Stimmen arbeiten:

  • Gestatten, mein Name ist „Sei perfekt!“ Ich bin dein Berater, wenn es darum geht, eine Aufgabe anzugehen. Mir ist es zu verdanken, dass du alles immer mindestens 120% machst. Das hat dich schon oft weit gebracht und die Menschen um dich herum schätzen deine Genauigkeit und die Qualität deiner Arbeit. Nur dumm, dass du gerade dann, wenn es richtig stressig wird, viele Sachen nicht fertig bekommst, weil es niemals gut genug ist. Aber Fehler kannst du nicht zugeben, das können Perfektionisten nicht.
  • Es ist äußerst wichtig, dass du lieb und nett zu deinen Mitmenschen bist, meint „Sei gefällig“. Sag bloß nicht ehrlich, wie es dir geht oder was du willst, sonst könntest du jemanden vor den Kopf stoßen. Im schlimmsten Fall hast du sogar einen Streit und das ist hochgradig gefährlich. Dafür finden dich die meisten Menschen wahnsinnig sympathisch und sind gerne mit dir zusammen, du bist eben ein echter Wohlfühlmensch.
  • „Indianer kennt keinen Schmerz“ ruft dir der „Sei stark!“ Antreiber regelmäßig in Erinnerung. Du bist nur liebenswert, wenn du stark bist, also zeige bloß keine Schwäche. Alleine bist du bisher am allerweitesten gekommen, das solltest du nicht vergessen. Dafür bist du durchsetzungsstark und bewahrst auch in Krisen einen kühlen Kopf. Krank bist du natürlich auch nie, als Einzelkämpfer kannst du dir das nicht erlauben.
  • Ok, der stete Druck im Nacken ist zwar unangenehm, aber dafür hast du dir deine Lorbeeren dann auch hart und ehrlich verdient, flüstert der „Streng dich an!“ Antreiber. Dein Durchaltevermögen muss dir erst einmal jemand nachmachen und alle schätzen dein Verantwortungsbewusstsein. Kann schon sein, dass dich der ein oder andere als Spaßbremse empfindet, aber das Leben ist nun einmal kein Ponyhof und die Pflicht ruft überall.
  • „Beeil dich!“ schallt es aus jeder Ecke. Wir haben keine Zeit für Sperenzchen, wir könnten locker in der Pause noch zwei bis drei E-Mails schreiben, die Oma anrufen und einkaufen gehen. Zeit zu verschwenden ist grundverkehrt und Entspannung etwas für die Zeit nach dem Leben. Dafür bist du produktiver als alle anderen, findest schnell Lösungen und bist immer mittendrin und voll dabei, der allseits bekannte Hansdampf in allen Gassen.      

Prinzipiell bringen diese Antreiber auch viel Gutes mit sich. Harmoniebedürfnis, Fleiß, die Bereitschaft sich anzustrengen und schnelles Arbeiten sind oft von Vorteil. Sind die Antreiber jedoch zu stark, verursacht das Stress und verzerrt die Selbstwahrnehmung. Wir agieren nicht mehr als wir selbst, sondern aus einem Muster heraus, zum Leidwesen für uns und meistens auch für unsere Mitmenschen.

Wie du deine eigenen inneren Antreiber entdecken kannst und was dir hilft, mit ihnen besser umzugehen, findest du in meinem nächsten Blogartikel.

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