Summerbreak 2022

Selten hat eine Auszeit so gut getan wie in diesem herrlich sonnigen Sommer 2022. Nach einem ersten halben Jahr voller anstrengender Projekte sagte mir mein System sehr deutlich, dass ich für ein paar Wochen komplett runter fahren sollte. Gehört habe ich diese Botschaft die letzten Jahre schon häufig, aber noch nie ist es mir bisher gelungen, dieser auch konsequent zu folgen. Doch dieses Jahr war es anders. Welcher Input mir dabei geholfen hat, endlich meiner inneren Stimme zu folgen und wie ich die Zeit verbracht habe, lest ihr in meinem neuen Blogartikel.

Zurück ins Jetzt

Ein wirklich wunderbarer Aspekt des Lebens ist es, dass einem immer die richtigen Bücher oder Menschen begegnen, wenn man sie braucht. Selbst wenn es einem zu dem Zeitpunkt noch gar nicht bewusst ist . So erging es mir mit dem Buch „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“ von Eckart Tolle. Eine Coaching Kollegin erwähnte das Buch ganz beiläufig in einem Gespräch und sprach davon, dass sie nun total gespannt sei, ihre spirituelle Seite mehr zu erkunden und in ein Yoga Retreat nach Indien gehe. Da sie eigentlich die Verkörperung von Verstand und Strategie ist, ließ mich der Kommentar aufhorchen und ich dachte mir gleich, dass es dieses Buch in sich haben muss. Und so war es dann auch. Die geballte Kraft zeitlosen Wissens hat mich völlig in ihren Bann gezogen und sehr viel bei mir bewirkt. Die Hauptaussage des Buches ist es, dass wir alle von unserem Verstand auf eine Art beherrscht werden, die nur unglücklich machen kann und dass der Weg aus dieser Knechtschaft das konsequente Verbleiben in der Gegenwart ist. Klingt simpel, aber einfach ist es nicht. Wieder einmal ist das Bewusstsein der Schlüssel und je bewusster wir uns werden, was sich in uns und um uns herum abspielt, desto besser können wir darauf reagieren. Auf eine Art und Weise, die natürlich ist und uns gut tut, anstatt uns zu schaden. Nun übe ich jeden Tag, bewusster zu werden und in der Gegenwart zu bleiben. Ich bin noch weit entfernt von Meisterschaft und Erleuchtung, aber so viel gelassener und entspannter, dass es auch meinem Umfeld nicht verborgen bleibt.

Zurück in den Körper

Relativ zeitgleich hatte ich eine Kinesiologische Sitzung, die es mir überhaupt erst ermöglichte, Eckart Tolles Ratschläge umzusetzen. Unglaublich, wie sich diese beiden Bausteine zum richtigen Zeitpunkt ineinander gefügt haben. Ich kam in die Coaching Sitzung mit dem Problem, dass ich in regelmäßigen Abständen Tage erlebte, an denen einfach gar nichts ging. Ich war völlig energielos, alles war mir zu viel und ich wusste in der Früh schon, dass ich an diesem Tag nichts auf die Reihe bekommen würde. Egal wie gut ich für meinen Körper sorgte und was ich auch Tat, nichts bewahrte mich davor. Ganz schlecht mit Kind, Vollzeitjob und Selbständigkeit… Es stellte sich heraus, dass ich als Kind in schwierigen Situationen den Weg des Nicht-Spürens gewählt hatte, um mich selbst zu schützen und quasi zu überleben. Ich katapultierte mich sozusagen aus meinem Körper heraus weit weg vom Hier und Jetzt. Eine in der Traumatherapie gut bekannte Strategie, die man neu programmieren kann. Dieses aus dem Körper raus gehen ist zwar eine gute Schutzhaltung, aber wenig hilfreich, wenn man im tatsächlichen Leben etwas bewirken möchte, denn jegliche Energie ist dann vom Körper abgezogen und man ist quasi handlungsunfähig. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen, welche weiten Kreise dieses Verhalten jahrzehntelang in meinem Leben gezogen hat und welche Schwierigkeiten ich dadurch hatte. Seitdem übe ich nun jeden Tag, meinen Körper zu spüren und mich dabei sicher zu fühlen und habe plötzlich eine Lebensqualität, die ich vorher nicht kannte. Coaching ist einfach immer wieder lebensverändernd, ich liebe es und bin zutiefst dankbar dafür!

Vagusnerv, Schüttelübung, TRE

Nach dem Coaching habe ich weitere Übungen mit nach Hause bekommen, die mir helfen sollten, die alten Muster zu überwinden. Zum einen war dies die Stimulation des Vagusnervs. Der Vagusnerv ist der längste unserer zwölf Hirnnerven. Als Teil des sogenannten Parasympathikus ist er an der Funktion fast jedes inneren Organs beteiligt. Er ist – vereinfacht gesagt – für Erholung, Ruhe und Verdauung zuständig. Dagegen fördert sein Gegenspieler, der Sympathikus, unsere Leistungs- und Kampfbereitschaft. Mit bestimmten Übungen kann man diesen Nerv stimulieren und dadurch zu einer viel entspannteren Haltung finden. Ganz wunderbar, um alte Anspannungen loszuwerden funktioniert auch schütteln oder zittern. Aus einem früheren Qi Gong Kurs hatte ich noch eine Schüttelmeditation als Audiodatei, die ich wieder hervorholte. Und im Internet fand ich einige Anleitungen zu TRE® (Tension & Trauma Releasing Exercises), die mir sehr gut taten. Über den Sommer ist mir die Aktivierung des Vagusnervs geblieben, Sie hilft mir enorm, immer wieder von der Anspannung in die Entspannung zu finden und ist Teil meiner Morgen- und Abendroutinen geworden.

Eine neue Meditationspraxis muss her

Nebeneffekt von Tolles Buch und der Coaching Sitzung war, dass leider meine bisherige Meditationspraxis nicht mehr funktionierte. Sie war sehr darauf ausgerichtet, dass mich Bilder davon trugen und ich auch mit der Meditation mein Leben und meinen Körper verlassen konnte. Das wollte ich nicht mehr und es funktionierte von einem Tag auf den anderen auch nicht mehr. Vielmehr ging es nun darum, ganz im Hier und Jetzt zu sein und ganz aufmerksam wahrzunehmen, was sich in meinem Körper, auf Verstandes- oder emotionaler Ebene oder auch um mich herum abspielte. Gefunden habe ich dafür die Vipassana Meditation, eine Form der Achtsamkeitsmeditation, bei der man übt, den Verstand zu kontrollieren und leichter in der Gegenwart zu bleiben, Satya Narayan Goenka, einer der wichtigsten Lehrer dieser Meditationsform, die direkt auf Buddah zurückgeht, sagt:

“The thing that hurts you the most in life is your own untamed mind. The thing that can help you the most in life is a disciplined mind. When the wild mind is untamed, it can be very harmful. If we learn to tame our minds, then it can help us by reducing our suffering and misery.”

Durch die urteilsfreie Beobachtung des Atems und aller Dinge, die sind, wird man sich der Vergänglichkeit jedes Zustandes bewusst und soll zum einen lernen, kein Widerstand gegen das, was ist aufzubauen und zum anderen das loszulassen, was man unbedingt haben will. Auch hier bin ich noch weit davon entfernt ein typisches Vipassana Schweigetetreat mit 10 Stunden Meditation am Tag durchhalten zu können, aber meine Meditationszeiten am Morgen und Abend tun mir unglaublich gut und ich freue mich immer darauf.

Völliges abschalten möglich

Und dann kam die Urlaubszeit. Schon die Woche vor Abreise war viel weniger hektisch als sonst immer und das Packen und die Fahrt zum Urlaubsort gingen gänzlich ohne Streitereien und Krisen über die Bühne. Meine Emails und sämtliche Benachrichtigungen aller Apps auf dem Handy habe ich ohne Anflug von schlechtem Gewissen einfach abgeschaltet und jeden Tag einfach nur dem Ziel gewidment auf mich und meinen Körper zu hören und immer tiefer zu entspannen. Wir waren in Kroatien in einem wunderschönen Mobile Home auf einem ganz kleinen Camping Platz, der ideale Platz dafür, Ich glaube nicht, dass ich jemals schon so entspannt aus einem Urlaub zurückgekommen bin, mit aufgefüllten Energiespeichern und großer Lust, mich wieder meinen Aufgaben und Projekten zu widmen. Womit ich mich derzeit so beschäftige erzähle ich euch in den nächsten Blogartikeln.

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